Vom Zitteral zum Telegrafen – vom Altertum bis ins 19. Jahrhundert

Schon im alten Ägypten kannte man das Phänomen, dass bestimmte Fischarten, wie Zitterrochen oder Zitterale elektrische Spannungen erzeugen. Was seither an Erkenntnissen und Entwicklungen folgte führte zu dem, was wir heute Elektrotechnik nennen. Mal langsamer, mal schneller, bis die Technik gegen Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr an Fahrt aufnahm.

Dass es in Ägypten eventuell mehr als elektrisierende Fische gab, meinen Forscher an rätselhaften Wandgravuren zu erkennen, mit Darstellungen glühbirnenähnlicher Gebilde, die alles zu enthalten scheinen, was zur Gewinnung von elektrischer Energie vonnöten ist. Heute befasst sich das, was wir als Elektronik bezeichnen, mit der Entwicklung, Fertigung und Anwendung von elektronischen Bauelementen wie Spulen und Halbleiterbauelementen wie Dioden und Transistoren. Die Entwicklung und Herstellung integrierter Schaltkreise nennen wir Mikroelektronik, während die Leistungselektronik besonders in der Antriebstechnik eine immer größere Rolle spielt. Der Begriff Elektrotechnik umfasst die Ingenieurwissenschaft zur Forschung und Entwicklung der Produktionstechnik von Elektrogeräten, die zumindest anteilig auf elektrischer Energie beruhen. Hierzu gehören der Bereich der Wandler, elektrische Maschinen und Bauelemente sowie Schaltungen für die Steuer-, Mess-, Regelungs-, Nachrichten- und Rechnertechnik bis hin zur technischen Informatik.

Magnetismus und Reibungslekrizität

Auch wenn die Menschheit metereologische Gewitterblitze schon immer kannte, kam die Erkenntnis, dass dieses Phänomen von die Trennung elektrischer Ladungen innerhalb der Atmosphäre verursacht wird, erst in der Neuzeit. Im Jahr 1600 unterschied der englische Naturforscher
William Gilbert in seinem Werk „Über den Magneten“ zwischen Magnetismus und Reibungselektrizität: „Differentia inter magnerica & electrica“. Als Erster verwendete er den Begriff Elektrizität, abgeleitet aus dem altgriechischen Wort für Bernstein „ḗlektron“, was übersetzt Hellgold heißt. 63 Jahre später erfand Otto von Guericke die erste Elektrisiermaschine, eine Schwefelkugel mit einer Drehachse, die Elektrizität durch von Hand bewirkte Reibung erzeugte. Mitte des 18. Jahrhunderts erfanden Ewald Georg von Kleist und Pieter van Musschenbroek mit der Leidener Flasche die älteste Bauform eines Kondensators. Benjamin Franklin enwickelte 1752 den Blitzableiter und veröffentlichte von 1751 bis 1753 die Resultate seiner „Experiments and Observations on Electricity. 1792 unternahm Luigi Galvani sein legendäres Froschschenkel-Experiment, in dem eine elektrochemische Galvanische Zelle als Spannungsquelle diente.

Elektrodynamik und Starksstromtechnik

Die grundlegenden Phänomene der sogenannten Elektrodynamik nach André-Marie Ampère wurden zwischen 1790 und 1830 in der Physik entdeckt. Erstaunlich schnell, und im 19. Jahrhundert vergleichbar mit der Chemie, entstand auf der Basis dieser neuen physikalischen Entdeckungen die industrielle Elektrotechnik. Vorbereitet durch die hochentwickelten optischen Telegrafen und begrenzt durch die schwachen elektrochemischen Stromquellen, besaß die frühe Elektrotechnik ihren Schwerpunkt zunächst eindeutig in der Telegrafentechnik. Staatliche Verwender wie Militär und Verwaltung, aber auch gutsituierte Privatpersonen und Unternehmen, wurden damit in die Lage versetzt, mit bislang ungekannter Geschwindigkeit über große Entfernungen hinweg Nachrichten zu übermitteln. In der zweiten Phase der Entwicklung der industriellen Elektrotechnik folgte ab 1880 die sich boomartig entwickelnde Starkstromtechnik. Aufgrund verbesserter großer Generatoren, die von Permanentmagneten unabhängig wurden, konnten sich Galvanoplastik, Elektromotoren und Beleuchtungssysteme nun endgültig durchsetzen. Während Bogenlampen Straßen und Plätze in grelles Licht tauchten, erlaubte die Glühlampe die elektrische Beleuchtung im Inneren von Gebäuden. In der Öffentlichkeit weithin sichtbar wurden die Errungenschaften der Elektrotechnik seit 1880 besonders durch den Bau von Straßenbahnen.

Rüdiger Lehmann

Entwicklung der Elektrotechnik bis Ende des 19. Jahrhunderts

Selective focus on dusty vintage tube inside retro radio station.1663 O.von Guericke baut eine Elektrisiermaschine

1727 Gray entdeckt den Unterschied zwischen Leitern und Nichtleitern

1733 Dufay findet die Gegensätzlichkeit positiver und negativer Elektrizität

1752 B. Franklin erfindet den Blitzableiter

1780 L. Galvani entdeckt die „galvanische“ Elektrizität (Galvanismus)

1814 André-Marie Ampère bestimmt die Richtung des elektromagnetischen Feldes

1820 Oersted zur Lehre vom Elektromagnetismus und zur Elektrodynamik

1821 Michael Faraday wandelt Elektrizität in Magnetismus bzw. mechanische Bewegung um

visu_historie_elektro_tesla1826 Sturgeon erfindet den Elektromagneten

1827 Der Deutsche Physiker Georg Simon definiert das Ohmsche Gesetz

1846 W. von Siemens konstruiert das elektrische Kabel

1854 Heinrich Goebel erfand die erste brauchbare elektr.Glühlampe

1867 W. von Siemens erbaut die Dynamomaschine

1872 F. von Hefner-Alteneck baut die Gleichstrommaschine

1879 W. von Siemens baut die elektrische Straßenbahn

1880 W. von Siemens baut einen elektrischen Aufzug

1880 In England wird das erste Wasserkraftwerk zur Erzeugung von elektrischem Strom gebaut

1889 Nicola Tesla (Bild rechts) erfindet den Wechselstromgenerator

1890 Die Londoner U-Bahn wird als erste U-Bahn der Welt elektrifiziert

 

Quellen: Wikipedia, Google, Bilder: iStock

http://www.elektrotechnik.rwth-aachen.de/

http://www.elektro-minker.com